Am Bahnhof Tokio fielen mir zuerst die Mitarbeiter auf dem Bahnsteig auf, noch bevor ich den Zug ansah. Sie warten in einer Reihe auf seine Ankunft, begrüßen ihn und betreten die Wagen, nachdem die Reisenden ausgestiegen sind. Bei bestimmten Umläufen haben sie 7 Minuten, um die Räume vorzubereiten: Müll, Sitze, Oberflächen und Kontrollen, mit aufgeteilten Aufgaben innerhalb des Teams.
Diese Szene zog internationale Medien an, darunter CNN. Statt einem Journalisten ohne Nachweis eine bestimmte Formulierung zuzuschreiben, genügt der Blick auf die Arbeit: Hinter ihrer scheinbaren Leichtigkeit steckt eine sorgfältig vorbereitete Organisation.

Was kann in 7 Minuten geschehen?
Die Arbeit von TESSEI beruht auf einer genauen Organisation der Abläufe. Ein Wagen kann etwa 100 Plätze haben, und einer Person kann ein großer Teil seiner Reinigung zugeteilt werden. Die folgende Aufteilung zeigt beispielhaft eine Abfolge über 7 Minuten. Sie ist keine offizielle Zeitmessung für sämtliche Züge.
- 1,5 Minuten: Müll einsammeln und Gepäckablagen prüfen Die Person geht durch den Wagen, sammelt Abfälle ein und sucht nach vergessenen Gegenständen. Der Blick richtet sich auf die zu kontrollierenden Bereiche. Ein gleichbleibender Winkel von 45 Grad ist keine belegte allgemeine Vorschrift.
- 0,5 Minuten: Sitze ausrichten Je nach Fahrzeug erfolgt die Drehung gemeinsam gesteuert oder in Sitzgruppen. Bei einem Wagen mit ungefähr 100 Plätzen muss nicht zwangsläufig jeder Sitz einzeln bewegt werden.
- 3 Minuten: Sitze reinigen und ordnen Tische, Sitze und Schutzauflagen werden nach dem vorgesehenen Verfahren bearbeitet. Eine Dauer von 4 bis 6 Sekunden für einen Austauschhandgriff darf nicht mit der Zeit verwechselt werden, die ein vollständiger Wechsel aller Bezüge im Wagen benötigt.
- 2 Minuten: Boden reinigen und Kontrollen abschließen Das Personal bearbeitet die übrigen Bereiche und prüft, ob der Wagen Reisende aufnehmen kann. Danach verlässt es den Zug und macht Platz zum Einsteigen.
Die Arbeit stützt sich auf standardisierte Verfahren, ebenso aber auf die Aufmerksamkeit für die tatsächliche Situation. Gegenseitige Hilfe fängt unerwarteten Bedarf oder längere Aufgaben auf. Abstimmung zählt genauso wie die Geschwindigkeit Einzelner.
Eine Teamkultur, die den Beruf sichtbar macht
Das Interessante an TESSEI liegt nicht nur in der Aufgabenerledigung. Dazu gehört auch ein Wandel der Arbeitskultur, der den Empfang der Fahrgäste hervorhebt. Die Reinigung wurde als Vorbereitung der Bühne für die Reisenden beschrieben – eine Möglichkeit, die Bedeutung des Berufs anzuerkennen.
Die Rolle der Arbeitskleidung
Erkennbare Kleidung macht die Teams sichtbar und unterstreicht ihre Rolle gegenüber der Öffentlichkeit. Die Uniformen änderten sich im Laufe der Zeit. Das in Berichten häufig gezeigte Rot ist zu einem mit dieser Arbeit verbundenen Bild geworden.
Die Angel Reports
Das Unternehmen entwickelte außerdem Berichte, die geschätzte Initiativen und Handlungen von Kollegen hervorheben: die Angel Reports. Konkrete Beiträge anzuerkennen kann Berufsstolz und Austausch im Team stärken, ohne das Personal auf Klischees über seine Tätigkeit zu reduzieren.
Einen sauberen, einladenden Zug vorzubereiten trägt zum Reisebeginn der Fahrgäste bei. Dieser Gedanke vermittelt den Sinn der Arbeit, ohne dafür ein anonymes Zitat zu benötigen.
Werkzeuge für die jeweiligen Handgriffe
Die Arbeit in 7 Minuten beruht auch auf Ergonomie: Geeignete Werkzeuge griffbereit zu haben und ermüdende oder unnötige Bewegungen zu begrenzen unterstützt die Teams.
Besen, Tücher und Ausrüstung entwickeln sich durch praktische Erfahrung weiter. Man sollte aber nicht annehmen, jedes Team besitze einen Wischer für mehrere Sitzreihen gleichzeitig oder einen hochpräzisen Fleckendetektor. Die Suche nach einer Verringerung unnötiger Bewegungen, auch Muda genannt, beruht vor allem auf Beobachtung, Übung und besseren Methoden.
Das Ergebnis trägt zum von Reisenden wahrgenommenen Komfort bei. Auswahl und Weiterentwicklung der Werkzeuge können helfen. Eine genaue Behauptung über einen intern entwickelten leisen Staubsauger bräuchte aber eine nachvollziehbare Quelle. Die gesamte Arbeit stärkt das Vertrauen in die Vorbereitung des Zuges.
Warum etwa 15 Minuten früher kommen?
Wenn Sie in Tokio den Shinkansen nehmen, können Ihnen 15 bis 20 Minuten vor Abfahrt auf dem Bahnsteig Zeit zur Orientierung geben und je nach Umlauf einen Blick auf die Vorbereitung erlauben. Die Gleise 20 bis 23 dienen den Shinkansen von JR East, unter anderem Richtung Tohoku. Prüfen Sie Ihr Gleis trotzdem auf den Anzeigen. Was Sie beobachten können, hängt von Zug und Uhrzeit ab.
Bleiben Sie hinter der Sicherheitslinie, behindern Sie weder Personal noch Reisende und warten Sie auf die Freigabe zum Einsteigen. Nehmen Sie beim Aussteigen Ihren Müll zu den passenden Behältern mit. Wer diese 7 Minuten beobachtet, kann vor allem die Arbeit des Teams würdigen, das die nächste Abfahrt vorbereitet.