Jedes Jahr kehrt zur selben Zeit dieselbe Frage zurück: Wohin zum Bewundern der Herbstfarben? Ich blättere durch Laubfotos auf dem Handy und öffne fast unbemerkt eine Flugbuchungs-App.
Letzten Herbst geschah genau das. Plötzlich wollte ich alles für eine Weile hinter mir lassen und Zeit allein verbringen, mit der seltsamen Gewissheit, dafür leuchtend rote Ahornbäume als Kulisse zu brauchen. Ich begann, eine herbstliche Soloreise zu planen. Zwei Ziele kamen mir in den Sinn: Kyoto, oft als einer der schönsten Orte für Herbstlaub genannt, und Hokkaido mit dem Versprechen weiter Naturlandschaften.
Die Entscheidung war schwieriger als gedacht. Für Kyoto sprach die gute Erreichbarkeit ohne Auto: Mit Bahn und Bus ruhige Tempel und Gärten zu besuchen, gefiel mir. Doch Berichte über Menschenmengen in der Ahornsaison beunruhigten mich. Würde ich die Landschaft wirklich genießen? Hokkaido dagegen stand für lange Straßen und offene Hügel, die ich allein erkunden könnte. Allerdings blieben internationaler Führerschein, Mietwagen und Linksverkehr – Formalitäten und neue Gewohnheiten, die ohne Reisebegleitung zu bewältigen waren.
Vor allem unterscheiden sich die Zeiträume. In Hokkaido beginnen die ersten Farben je nach Höhenlage und Gebiet etwa Ende September und reichen insbesondere bis Mitte Oktober. In Kyoto ist es eher Mitte November bis Anfang Dezember. Diese Richtwerte legen nicht nur ein Datum fest: Sie bestimmen Urlaubstage und Reiseform mit. Nachdem ich beide Ziele schließlich in unterschiedlichen Jahren besucht habe, sehe ich die Wahl als Frage danach, welche Art Herbst man erleben möchte. Die Zufriedenheit hängt stark von der gewünschten Reise ab.
Zwei Atmosphären, zwei Arten, den Herbst zu lieben
Herbstlaub sieht überall gleich aus? Ganz bestimmt nicht.
In Kyoto erinnerten mich die Farben an einen sorgfältig gestalteten Bonsai. Ein flammend roter Ahorn vor dunklem Holz und den Ziegeln eines alten Tempels wird zum Gemälde. Die bunten Berge hinter der Togetsukyo-Brücke in Arashiyama oder das Laub rund um die Terrasse des Kiyomizu-dera erklären die Anziehungskraft der Stadt in dieser Jahreszeit. Doch dieses Gefühl teilt man mit vielen Menschen. An berühmten Orten sieht man manchmal ebenso viele Köpfe wie Blätter. Trotzdem genügt mitten in diesem Trubel ein ruhiger Landschaftsausschnitt, um den ganzen Zauber des Ortes wiederzufinden.
In Hokkaido wirkte der Herbst auf mich wilder und freier. Außerhalb Sapporos begleiten gelbe und rote Blätter lange Straßen. Die Strecke von Biei zum Asahidake oder der Ausblick vom Hōheikyō-Damm in Jōzankei vermittelt ein Gefühl von Weite. Dort anhalten, wo es erlaubt und sicher ist, und allein eine große Landschaft genießen: Das blieb mir besonders in Erinnerung. Kyoto bietet eine von Gärten und Architektur geformte Schönheit; Hokkaido lässt den Formen der Natur mehr Raum. Nur Wind und Blätter unter den Füßen zu hören, bleibt eine besondere Erinnerung.
Verkehr und Budget: Die konkreten Fragen
Die unterschiedlichen Atmosphären spiegeln sich auch beim Fortbewegen und Geldausgeben wider. Schöne Landschaften zählen, doch allein muss man auch Budget, Zeit und Kräfte schonen. In diesen Punkten erfordern Kyoto und Hokkaido unterschiedliche Abwägungen.
Kyoto lässt sich einfach ohne Auto besuchen. Der frühere Buspass für 1 Tag zu 700 Yen wird allerdings nicht mehr verkauft. Prüfen Sie die derzeit angebotenen Tickets, bevor Sie Ihr Budget darauf aufbauen. In der Ahornsaison können Busse überfüllt sein und im Stau stehen. Auf dem Weg zum Kiyomizu-dera musste ich schon zwei volle Busse vorbeifahren lassen; eine auf 20 Minuten geschätzte Fahrt dauerte zudem mehr als 1 Stunde. Mit der U-Bahn in die Nähe zu fahren und dann 15 bis 20 Minuten zu gehen, kann angenehmer sein. Auch das Fahrrad ist eine Möglichkeit, sofern Verkehrs- und Abstellregeln beachtet werden.
Verkehr ist nicht unbedingt der größte Kostenpunkt: Hotels und Eintrittspreise können die Rechnung schnell erhöhen. In der Hochsaison bleibt das Zentrum Kyotos selbst bei einer Buchung 3 bis 4 Monate im Voraus teuer. Statt nur Bahnhof oder Gion zu betrachten, können Karasuma Oike oder Shijō Ōmiya die Auswahl erweitern. Tempeleintritte von je nach Ort und Zeit 400 oder 600 Yen summieren sich schnell; mehrere Besuche können an einem Tag mehr als 2.000 Yen kosten. Planen Sie einen passenden Betrag ein.
Das Budget in Kyoto
- Vorteil: Kein Mietwagen; mit passenden Bus- und U-Bahn-Tickets oder Pässen können die Fahrtkosten überschaubar bleiben.
- Nachteil: Unterkünfte sind in der Hochsaison teuer, und die Eintrittspreise berühmter Tempel fallen zusammen ins Gewicht.
- Tipp: Kombinieren Sie U-Bahn und Fußwege, um Staus zu begrenzen. Suchen Sie Ihre Unterkunft möglichst mindestens 3 Monate vor der Reise.
Das Budget in Hokkaido
- Vorteil: Außerhalb der Stadtzentren finden sich günstigere Unterkünfte. Viele Naturlandschaften lassen sich ohne Eintrittskarte bewundern.
- Nachteil: Miete, Kraftstoff und Maut sind ein wichtiger Kostenpunkt, besonders allein.
- Tipp: Ein kleiner Wagen der Kei-Klasse (軽自動車) kann bestimmte Kosten senken. Fragen Sie außerdem nach den Bedingungen und möglichen Ermäßigungen einer ETC-Karte.
In Hokkaido ändert sich die Logik. Um Herbstlaub in Gebieten fern von Sapporo oder Otaru zu entdecken, ist ein Auto für diese Art Route sehr hilfreich. Viele Orte lassen sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer miteinander verbinden. Als Größenordnung kann ein Kleinwagen mit Versicherung 6.000 bis 8.000 Yen täglich kosten. Mit Kraftstoff und Maut können die Fahrtkosten 10.000 Yen pro Tag überschreiten. Bereiten Sie die Dokumente vor, die Sie zum Fahren in Japan berechtigen, und lassen Sie Zeit, sich an den Linksverkehr und das gegenüber koreanischen Autos auf der anderen Seite liegende Lenkrad zu gewöhnen. Der JNTO-Ratgeber zum Autofahren in Japan ist vor der Abreise lesenswert.
Für diesen Planungsaufwand erhalten Sie viel Freiheit. Wenn die Maut das Budget belastet, führen gewöhnliche Straßen manchmal durch kleine Dörfer. Achten Sie in der Dämmerung besonders auf Füchse und Hirsche, die die Straße queren können: schöne Begegnungen, die Sie aus der Distanz beobachten sollten, ohne die Sicherheit aus den Augen zu verlieren. In Kyoto summieren sich Ausgaben oft mit den Besichtigungen. In Hokkaido ist das Auto eine große Ausgangsausgabe, ermöglicht danach aber eine eigene Route. Auf einer kleinen freigegebenen Straße eine Herbstlandschaft zu entdecken, gehört zu den Freuden dieser Reiseform.
Welches Herbstziel passt zu Ihnen?
Wir haben Verkehr und Budget betrachtet. Kyotos Hotelpreise und Hokkaidos Mietwagenkosten führen letztlich zur gleichen Frage: Für welches Erlebnis möchten Sie Geld ausgeben? Es gibt kein grundsätzlich besseres Ziel. Die Antwort hängt von dem Herbst ab, den Sie sich vorstellen.
Wenn ein gut organisiertes Programm Ihnen Orientierung gibt, ist Kyoto wahrscheinlich die passendere Wahl. Frühmorgens können Sie Ahornbäume am Kiyomizu-dera bewundern, in Gion zu Mittag essen und nachmittags einkaufen. Diese Reise verbindet Kultur, Küche und Shopping. Volle Busse und Menschenmengen erfordern Geduld, doch für viele Reisende gleichen kultureller Reichtum und Eleganz der Stadt die Nachteile aus. Für die erste Soloreise nach Japan oder verschiedene Aktivitäten ohne Autofahren bleibt Kyoto ein klassischer Favorit.
Wenn ungeplante Entdeckungen Sie mehr begeistern als ein festes Programm, kann eine Autoreise durch Hokkaido Sie ansprechen. Die Fahrt selbst wird zum Teil der Reise: eine erlaubte Pause am See mit Konbini-Kaffee und danach ein weites Laubpanorama hinter Bieis Hügeln. Dieser Freiheit stehen Mietkosten und manchmal ein Gefühl der Einsamkeit gegenüber. Wenn Städtereisen Sie ermüden und Sie lieber Wind hören oder durch Blätter gehen möchten als Menschenmengen zu erleben, bieten Hokkaidos weite Räume eine andere Art des Durchatmens.
Wählen Sie eher Kyoto, wenn …
- Sie öffentliche Verkehrsmittel bevorzugen und nicht fahren möchten.
- Sie Herbstlaub mit Restaurants, Einkaufen und kulturellen Besichtigungen verbinden möchten.
- Sie vorhersehbare Routen und eine beruhigende Organisation mögen.
- Sie allein reisen, aber gern von etwas Leben umgeben bleiben.
Ehrlich gesagt würde ich Hokkaido wählen, wenn ich nächsten Herbst erneut allein aufbrechen könnte. Kyotos Ahornbäume waren selbst mitten unter den Besuchern wunderschön. Doch die riesigen Farblandschaften unterwegs und dieses Freiheitsgefühl sind mir besonders stark im Gedächtnis geblieben. Entscheiden Sie, welches Erlebnis Sie mehr anzieht.
Praktische Tipps zur Reisevorbereitung
Diese Einzelheiten habe ich von den Reisen mitgenommen. Sie können den Aufenthalt angenehmer machen.
1. Prüfen Sie die Laubfärbungsprognosen: Japan erstreckt sich weit von Norden nach Süden, und die Zeiten unterscheiden sich stark. In Hokkaido beginnt die Färbung in den Bergen etwa Ende September und zieht bis Mitte oder Ende Oktober in andere Gebiete. Für Kyoto plant man meist Mitte November bis Anfang Dezember. Prüfen Sie saisonale Prognosen, insbesondere der Japan Weather Association, bevor Sie Ihre Route festlegen.
2. Suchen Sie eine Unterkunft 3 Monate im Voraus: Der Herbst ist sehr gefragt. In Kyoto können beliebte Viertel selbst 3 bis 4 Monate vorher schwer zu buchen sein. Sobald mögliche Termine feststehen, prüfen Sie die Hotelverfügbarkeit zügig zusammen mit den Flügen.
3. Allein kann in Hokkaido ein Kei-Wagen genügen: Sie müssen als Alleinreisender nicht grundsätzlich ein großes Fahrzeug mieten. Kleine japanische Autos verbrauchen oft weniger und können bei Miete oder bestimmten Mautgebühren günstiger sein. Sie sind außerdem beim Parken und auf schmalen Straßen praktisch. Wählen Sie immer passend zur Route und zu den erwarteten Bedingungen.
4. Brechen Sie in Kyoto früh auf, um Menschenmengen zu begrenzen: Der Morgen ist ein wertvoller Verbündeter. Viele Tempel öffnen etwa zwischen 08:30 und 09:00, doch die Zeiten variieren: Prüfen Sie Ihr konkretes Ziel. Direkt zur Öffnung können Sie die Farben oft besser genießen. Erkunden Sie nachmittags auch kleinere, weniger bekannte Schreine oder Tempel.