An einem Nachmittag ging ich halb benommen mit der Menge über die Shibuya-Kreuzung. Die Toiletten eines Kaufhauses kamen wie gerufen. Doch beim Betreten war ich kurz sprachlos. Dieses Bedienfeld neben der Toilette … war das das Cockpit eines Raumschiffs?
Dusch-WCs sind in Korea üblich, aber so viele Bedienelemente hatte ich noch nie gesehen. おしり neben einem Gesäßsymbol, ein rätselhaftes ビデ und sogar 乾燥 für Trocknen. Warum so viele Schriftzeichen? Die rote Taste 止 wirkte beinahe verboten, und ich fürchtete eine Katastrophe, wenn ich den Wasserdruck falsch einstellte. 押 musste „drücken“ bedeuten, aber was sollte ich drücken? Was, wenn etwas Seltsames hervortrat? Nach langem Zögern fand ich schließlich den Spülhebel als einzig beruhigendes Element und ging wieder hinaus. Die Erinnerung ist noch sehr lebendig.
Besonders neugierig machte mich die Taste 音, „Ton“. Warum brauchte eine Toilette Ton? Daneben war sogar ein Lautsprechersymbol. Würde Musik erklingen? Letztlich hatte ich nur die Spülung zu benutzen gewagt, doch die Frage begleitete mich die ganze Reise.
Später verstand ich, dass jede dieser Tasten besondere Rücksicht auf Komfort, Müdigkeit und kleine peinliche Momente nahm. Man hatte mir gesagt, japanische Toiletten seien sauber und angenehm. Auf diese ganze Welt hatte mich niemand vorbereitet.
Was ist dieses Geräusch? Ungewohnte Funktionen
Die Taste 音, die mich im Kaufhaus von Shibuya beschäftigt hatte, spielte nicht einfach Musik. Sie stand für eine typische japanische Aufmerksamkeit: die bekannte Funktion namens Otohime, 音姫, „Klangprinzessin“.
Wer sich unwohl dabei fühlt, dass Körpergeräusche nach außen dringen, kann beim Hinsetzen oder Tastendruck fließendes Wasser erklingen lassen. Anfangs fand ich das übertrieben. Dann erfuhr ich, dass die Idee vor allem Wasser sparen sollte. Früher spülten viele Menschen während der Nutzung zwei- oder dreimal, um Geräusche zu überdecken. Otohime sollte das vermeiden. Es ist also eine diskrete Einrichtung, die Privatsphäre und Umwelt berücksichtigt. Meist finden Sie eine Taste am Bedienfeld oder einen Wandsensor, vor dem Sie die Hand bewegen. Nach etwa 25 Sekunden endet der Ton gewöhnlich. Drücken Sie bei Bedarf erneut.
Natürlich besitzen nicht alle Toiletten auf Reisen solche modernen Ausstattungen. In alten Bahnhöfen, ruhigen Parks oder bescheideneren Geschäften gibt es weiterhin japanische Hocktoiletten, Washiki, 和式. Mitten in einer modernen Stadt können sie überraschen, gehören aber ebenfalls zu Japan. Solche unerwarteten Entdeckungen werden vielleicht sogar zu einer kleinen Reiseerinnerung.
Vor einer Washiki-Toilette können Sie beim ersten Mal unsicher sein, in welche Richtung Sie sich hocken sollen. Merken Sie sich: Schauen Sie zum abgerundeten, erhöhten Teil des Beckens. Halten Sie diesen Teil vor sich und positionieren Sie sich über der Öffnung, um das Becken richtig zu benutzen. Statt Hebel oder Taste kann die Spülung auch ein Bodenpedal oder eine Wandschnur haben. Sehen Sie sich genau um.
Aussehen und Funktionsweise unterscheiden sich also stark nach Ort. Wenn Sie die im Folgenden beschriebenen Anlaufstellen für dringende Fälle schon kennen, wird die Reise deutlich angenehmer.
Wohin, wenn es dringend ist? Die besten Anhaltspunkte
Auf Reisen ist es wichtig zu wissen, wo Sie im richtigen Moment eine verlässliche Toilette finden.
Meiner Erfahrung nach sind Japans beste Toiletten eindeutig die in Kaufhäusern. Sie sind sauber und häufig elegant. Besonders Damenbereiche haben gut ausgestattete Schminkräume, in denen sich das Make-up auffrischen oder kurz durchatmen lässt. Bei Isetan in Shinjuku fühlte ich mich beinahe wie in einer Hotellounge. Danach kommen Konbini, echte Oasen für Reisende. Viele haben Kundentoiletten. Je nach Geschäft müssen Sie jedoch um Erlaubnis bitten. „Toire, okari dekimasu ka?“, トイレ、お借りできますか?, bedeutet einfach: „Darf ich die Toilette benutzen?“
Bahnhofstoiletten sind unterschiedlicher. Große Stationen wichtiger Linien wie der Yamanote sind meist gut gepflegt. In kleinen Bahnhöfen oder auf dem Land können Ausstattung und Sauberkeit bescheidener sein. Japan hat sogar eine eigene Toilettenvereinigung, 日本トイレ協会. Das zeigt, wie ernst das Thema genommen wird. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der japanischen Toilettenvereinigung.
Japanische Aufmerksamkeit auf kleinem Raum
Anfangs wirkten japanische Toiletten nur kompliziert und fremd auf mich. Am Ende der Reise sah ich sie anders. Sie waren nicht bloß zweckmäßige Orte, sondern kleine kulturelle Räume, in denen persönlicher Komfort und Rücksicht auf die nächste Person zusammenkamen. Der beheizte Sitz wärmt Reisende im Winter, Otohime vermeidet geteilte Verlegenheit.
In Ryokan und alten Restaurants gibt es sogar Hausschuhe ausschließlich für die Toilette, um Hygienebereiche klar zu trennen. Ich verstand ihren Sinn, nachdem ich gedankenlos damit auf die Tatami getreten war und die Besitzerin überrascht schaute. Verraten solche Details nicht etwas über den Alltag eines Landes? Mir schien, selbst Toiletten trügen den Geist des Omotenashi, おもてなし, der japanischen Gastfreundschaft.
Praktische Tipps für Ihre Reise
Diese sorgfältige Aufmerksamkeit kann Besucher gelegentlich verwirren. Zum Schluss helfen einige konkrete Hinweise, sich auf noch unbekannten Toiletten zu 100 % wohlzufühlen. Damit begegnen Sie kleinen Reiseüberraschungen leichter mit einem Lächeln.
Tragen Sie zunächst eine Packung Taschentücher und ein kleines Handtuch bei sich. In Kaufhäusern und neueren Gebäuden fehlt selten etwas. Am Stadtrand, in alten Restaurants oder Parktoiletten fehlt Papier aber häufiger, als man denkt. Manche Orte schalten außerdem Händetrockner zum Stromsparen ab. Ohne Handtuch wischen Sie sich dann vielleicht unauffällig die nassen Hände an der Hose ab. Nach dieser Erfahrung versteht man, warum so viele Japaner aller Altersgruppen ein kleines Handtuch mitnehmen.
Wenn Sie sich von den vielen Tasten überfordert fühlen, suchen Sie ruhig nach der roten Taste 止, „Stopp“. Sie ist meist gut sichtbar. Wenn Sie wissen, wo sie liegt, können Sie eine versehentlich gestartete Funktion anhalten und die Kontrolle zurückgewinnen. Merken Sie sich außerdem einige häufige Beschriftungen.
- 止: Stopp – Ihre Taste für den Notfall
- おしり: hintere Reinigung – die übliche Waschfunktion
- ビデ: vordere Reinigung – weibliche Intimhygiene
- 大 / 小: große oder kleine Spülung – zum Abspülen
- 乾燥: Trocknen
Wählen Sie bei Wasserdruck oder Strahlposition, 水勢 und 洗浄位置, nicht unbedacht 強, „stark“. Die Überraschung kann heftig ausfallen. Beginnen Sie immer mit der sanftesten Einstellung und passen Sie sie dann an.
Und wo suchen Sie, wenn es dringend wird? Statt automatisch eine Parktoilette, 公園, anzusteuern, versuchen Sie diese Reihenfolge.
- Priorität 1: Kaufhäuser, デパート, und große Einkaufszentren für Komfort. Sie sind meist sauber, geräumig und mit Schminkbereichen ausgestattet. Dort lässt sich auch gut eine kurze Pause machen.
- Priorität 2: U-Bahn-Stationen, 駅, wegen ihrer Erreichbarkeit. Große Umsteigestationen sind oft gut gepflegt. Zu Stoßzeiten können sie jedoch sehr voll sein. In kleinen Stationen unterscheidet sich die Sauberkeit stärker.
- Priorität 3: Konbini, コンビニ, als letzte Möglichkeit. Nicht alle haben Toiletten. Manche sind dem Personal vorbehalten oder abgeschlossen. Wenn Sie お手洗い an der Tür sehen, fragen Sie höflich: „Sumimasen, toire o okari dekimasu ka?“, すみません、トイレをお借りできますか?, also „Entschuldigung, darf ich die Toilette benutzen?“. Beim Fragen eine Kleinigkeit zu kaufen, erleichtert oft eine freundliche Auskunft.
Japanische Toiletten können anfangs wie eine Hürde erscheinen. Sobald Sie sich daran gewöhnt haben, schätzen Sie sie vielleicht als echten Vorteil der Reise. Ich hoffe, diese Erklärungen machen Ihren Japanaufenthalt etwas bequemer und angenehmer.